"Gewalt und Gesundheit -
Erfordernisse an gesundheitliche Versorgung"
Protokoll des
4. Treffens des Netzwerkes Frauen und Gesundheit' NRW
07. Februar 2003, Dortmund
- Zusammenfassung -Download:
4.Tagung.pdf,
4.Tagung-Anhang.pdf (Internetexplorer: rechte Maustaste)
Medizinische Fachkräfte sind meist die ersten, die Frauen nach Gewalterfahrungen aufsuchen und die Art ihrer Reaktion bestimmt oftmals den weiteren Weg dieser Frau. Häufig, so die Erfahrung, sind Ärzte und Pflegekräfte jedoch unsicher, wie sie betroffene Frauen ansprechen können und auf welche Beratungsangebote und weiteren Versorgungsmöglichkeiten sie gegebenenfalls hinweisen können.
Die gesundheitliche Versorgung gewaltbetroffener Frauen war Thema des vierten Treffens des Netzwerkes Frauen und Gesundheit NRW. Die mehr als 40 Teilnehmerinnen aus landesweiten Organisationen des Gesundheitssystems, der freien Wohlfahrtspflege, aus Frauengesundheitseinrichtungen und -forschung stellten übereinstimmend einen großen Handlungsbedarf fest.
Prof. Dr. Carol Hagemann-White schilderte in ihrem Einstiegsvortrag eindrucksvoll die gesundheitliche Situation gewaltbetroffener Frauen. Häufig wird Gewalt als Ursache für Verletzungen und Erkrankungen nicht erkannt. Langzeitschäden bspw. durch nicht verarbeitete Traumata verursachen neben individuellem Leid auch hohe Folgekosten, die sich durch geeignete Maßnahmen verringern ließen. Ein erster wichtiger Schritt wäre, so Hagemann-White, wenn medizinische Fachkräfte Frauen routinemäßig nach möglichen Gewalterfahrungen fragten. Im Wartezimmer ausgelegtes Informationsmaterial verdeutliche, dass das Thema in der Praxis kein Tabu sei. Wichtig sei, betroffenen Frauen deutlich zu machen, dass die erlebte Gewalt ein Unrecht ist und häufig einen Straftatbestand darstellt, wenig hilfreich dagegen sind Angebote vermeintlich einfacher Lösungen und das Drängen zu schnellem Handeln.
Die Netzwerk-Teilnehmerinnen trugen ihre Erfahrungen und den Bedarf aus ihrer jeweiligen Sicht zusammen und beleuchteten weitere Problemfelder, beispielsweise von behinderten Frauen oder Migrantinnen, die es mit zusätzlichen Hürden zu tun haben.
Sie begrüßten die guten Ansätze, die es seit einigen Jahren in Deutschland gibt und untermauerten weiteren drängenden Handlungsbedarf. Das Netzwerk forderte insbesondere:
Medizinisches Personal z. B. durch entsprechende Schulungen in den unterschiedlichen Bereichen für dieses häufig tabuisierte Thema zu sensibilisieren.
Medizinische Fachkräfte über Beratungsangebote zu informieren.
Medizinischen und Psychosozialen Einrichtungen auf kommunaler Ebene zu vernetzen, um ortsnah den betroffenen Frauen über die Medizinische Hilfe hinaus Unterstützung anbieten zu können.
Das Netzwerk bildete eine Arbeitsgruppe, die gute Ansätze weiter verbreiten und unterstützen will. Dieser Arbeitsgruppe gehört auch Bärbel Brünger an, die zur Sprecherin des Netzwerkes gewählt wurde. Sie ist Referentin für Grundsatzfragen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim VdAK/AEV Westfalen-Lippe.Download:
4.Tagung.pdf,
4.Tagung-Anhang.pdf (Internetexplorer: rechte Maustaste)